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Öffentlicher Verkehr


20.07.2004, "Die Schildbürger sind in Wien zu Hause" von Franz Gansrigler
Di, 20.Jul 2004

Innenpolitik/Pressestimmen/Vorausmeldung/Verkehr/Kommunales

"Die Schildbürger sind in Wien zu Hause" von Franz Gansrigler

Wien (OTS) - Wien hat einen Planungsstadtrat. Er heisst Rudolf Schicker. Und dieser Mann soll mit seinem Team planen ­ und er tut es auch. Mit Konsequenz, die bis zur Unerschütterlichkeit reicht. Und noch dazu seiner Zeit und den realen Gegebenheiten weit voraus. Soweit das Positive, das es aus Wien diesmal zu vermelden gibt.

Das Vorausschauende wohnt offenbar der Wiener Planungspolitik inne. Als seinerzeit, in den 70er Jahren des vorigen Jahrhunderts, die U1 rund einen dreiviertel Kilometer am Südbahnhof vorbei gebaut wurde, hat die Planung selbstredend schon daran gedacht, dass 40 Jahre später ein neuer Durchgangsbahnhof sich der abseits liegenden U-Bahn-Station nähern wird. Die Schildbürger sind in Wien zu Hause:
Wird schon keine U-Bahn zu einem wichtigen Bahnhof gebaut, so versuchen die Stadtväter halt den Bahnhof an die U-Bahn heranzurücken. Mit hohen Kosten! Und weil das so gut geklappt hat ­ mit der unwesentlichen Einschränkung, dass der neue Bahnhof auch noch nicht ganz fix ist ­ wird eine zweite U-Bahn-Linie, die U2 ab Karlsplatz, auch nicht zum neuen Wiener Durchgangsbahnhof, der Ost- und Westeuropa verbinden soll, geführt, sondern haarscharf vorbei; der Wiener Planungsphilosophie entsprechend führt die U-Bahn in zwei erst zu entwickelnde neue innerstädtische Wohn- und Arbeitsgebiete. Dabei handelt es sich um die so genannten Aspang-Gründe, für deren Nutzung es einen jahrealten Plan gibt, der der Verwirklichung harrt; und um das Stadtentwicklungsgebiet südlich des neuen Durchgangsbahnhofs, das einmal ­ Zielvorstellung ist das Jahr 2025 ­ 13.000 Einwohner und 10.000 bis 20.000 Arbeitsplätze haben soll. Inmitten des vorerst mit Architekten-Tinte gezeichneten Plans, was da kommen soll, steht ein 420 Millionen Euro teurer Bahnhof, der nach ÖBB-Wünschen hochwertige, optimale Umsteigeverbindungen bieten soll, de facto aber ohne U-Bahn auskommen muss. Die Wiener Stadtplanung lobt zwar die "optimale" Anbindung des neuen, jahrzehntelang noch nicht existierenden Stadtviertels zum Flughafen, zur Bahn und zur Strasse ­ lässt die Drehscheibenfunktion des neuen Bahnhofs aber völlig ausser Acht. Soll er nur Durchgangsbahnhof werden, der Wien links und rechts liegen lässt? Wiens Planer begehen einen Fehler bewusst zum zweiten Mal. Denn nachjustieren ist teuer. Das ist ein Luxus, für den die Steuerzahler aufzukommen hätten.

Rückfragehinweis:
WirtschaftsBlatt
Redaktionstel.: (01) 60 117/305
www.wirtschaftsblatt.at

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OTS0162 2004-07-20/17:13
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